Düsseldorf (ots) - Der Bankensektor in Europa erholt sich nach wie vor nur sehr langsam. Das geht aus dem aktuellen Retail Banking Radar von A.T. Kearney hervor. Für die Studie wurde die Performance von 97 Privatkundenbanken und Bankengruppen in 24 west- und osteuropäischen Ländern ausgewertet.

"Deutsche Banken sind weiter ein Stabilitätsanker in Europa", berichtet Andreas Pratz, Partner bei A.T. Kearney und Leiter des Beratungsbereichs Financial Institution Groups in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Risikoquote im deutschen Retail Banking ist laut Studie im Ländervergleich sehr niedrig. Der Ertrag pro Kunde ist leicht und pro Mitarbeiter deutlicher gestiegen.

Trotz aller Stabilität ist Deutschland unter den Schlusslichtern bezüglich Effizienz und Effektivität. Die Kostensenkungsprogramme der deutschen Banken greifen nicht ausreichend, eine Verbesserung ist kaum spürbar. Im Gegenteil: Die Kosten sind im Vergleich zum Vorjahr um etwa 2,5 Prozent gestiegen. Ein signifikanter Effizienzsprung ist notwendig, denn andere Länder wirtschaften nachweislich profitabler.

"Der Umbau im Retail Banking gewinnt in Europa an Geschwindigkeit. Beispielhaft seien Mobile Banking und -Payments-Angebote genannt. Deutschland droht hier den Anschluss zu verlieren", betont Pratz. Die Experten von A.T. Kearney empfehlen eine Doppelstrategie: 1. Orientierung an den Besten: Deutsche Banken müssen ihre Position in Europa wieder verbessern, indem sie sich in den Zukunftsfeldern Digitales Bezahlen, Mobile Banking, Online Investing und Instant Lending stärken. 2. Effizienzsprung: Um auf der Kostenseite wieder aufzuholen, sind eine Angebotsvereinfachung, volldigitale Verarbeitung und ein Umbau vom Filial- zum onlinebasierten Vertriebsmodell von Nöten.

In der Studie sind starke Unterschiede nach Regionen festzustellen: In Skandinavien und in der Schweiz sind die Banken europaweit am profitabelsten. In Südeuropa zehren die Nachwirkungen der Rezession an den Gewinnen, auch wenn eine gewisse Verbesserung zu beobachten ist. In Westeuropa gibt es klare Anzeichen einer Verbesserung in Märkten wie Deutschland, Österreich und Großbritannien, wohingegen sich andere Märkte wie beispielsweise Frankreich abwärts bewegen. In Mittel- und Osteuropa unterscheiden sich polnische sowie mitteleuropäische Banken, die ihre Stärke durch eine niedrige Kosten/Ertrags-Quote gewahrt haben, von Banken in Südosteuropa, die immer noch mit einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld kämpfen.

Je nach Geschwindigkeit des Konjunkturaufschwungs und der Finanzstärke der einzelnen Banken werden die europäischen Retail-Banken 2015 eine leichte Erholung verzeichnen. Wegen des schleppenden Ertragswachstums und der laufenden Investitionen in neue Geschäftsmodelle werden die Institute jedoch auf lange Zeit nicht mehr so rentabel arbeiten können wie vor der Krise. In Zukunft drohen weitere Gefahren, mit denen sich die Banken in den kommenden zwölf Monaten auseinandersetzen müssen. Deshalb empfiehlt A.T. Kearney vier Grundstrategien: 1. Das Geschäftsmodell für das kommende digitale Zeitalter neu definieren und fit machen, 2. Neue Einnahmequellen und Chancen zur Ertragssteigerung suchen, 3. Das Betriebsmodell auf den Prüfstand stellen, 4. M&A-Chancen beim Comeback nach der Krise im Auge behalten.

Quelle: Presseportal.de
Foto: obs/A.T. Kearney/M8 Medien/Thinkstock